Das Hexen-Einmaleins

Du musst versteh'n!
Aus Eins mach Zehn,
Und zwei lass geh'n
Und drei mach gleich, 
So bist du reich!

Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs - 
So sagt die Hex - 
Mach Sieben und Acht,
So ist's vollbracht:

Und Neun ist Eins,
Und Zehn ist Keins,
Das ist das Hexen-Einmaleins!

Das ist ein uraltes Gedicht das schon Johann Wolfgang von Goethe in seinem Werk "Faust" veröffentlichte. Als ich klein war, brachte es mir mein Vater bei, weil ich so zählen lernen sollte. 
Es gibt viele Theorien darüber, was die Verse dieses Gedichts bedeuten sollten. So gibt es beispielsweise auch die These, dass sich hinter den Reimen ein Code zum wahren Wesen der Magie versteckt ist. Wenn ihr mich fragt, ist das alles ausgemachter Blödsinn. Dies würde bedeuten, dass sich Magie "errechnen" ließe. Meiner Meinung nach gibt es keine mathematische Logik, mit der man Magie begreifen könnte. Für mich ist und bleibt sie etwas, das sich nicht allein mit dem Verstand erfassen lässt. Für mich bedeutet Magie Denken, Fühlen, Sehen, Riechen und Schmecken. Und sollte das Gedicht eine Kernaussage über Magie beinhalten, dann ist es genau jene: Magie entbehrt jeglicher Logik!

Samhain – Allerheiligen – Halloween

Samhain

Samhain ist der Vorabend zu Allerheiligen (All Hallows Eve => Halloween) und wird vom 31. Oktober auf den 1. November gefeiert.

Samhain war das keltische Silvester. Für die Kelten ist das Jahr wie ein einziger großer Tag mit Morgen und Mittag (Sommersonnwende) und Abend und Nacht (Wintersonnwende). Samhain ist der Beginn der sogenannten „Jahresnacht“. Die Kelten hatten nur zwei Jahreshälften, das Sommerhalbjahr = Jahrestag und Winterhalbjahr = Jahresnacht. Samhain war die Nacht die den Übergang vom alten in das neue Jahr symbolisierte. Und diese Nacht stellt einen Raum zwischen dem Alten und dem Neuen dar. Die Wände zwischen den Welten werden besonders dünn oder lösen sich sogar ganz auf. Diese Übergänge gleichen einem Niemandsland wo weder Gesetze noch Ordnung herrschen. In dieser Zeit können die Jenseitigen die Welt der Menschen besuchen und umgekehrt – mit Hilfe von Rausch, Trance und Ekstase –  die Menschen das Jenseits oder auch Anderwelt.

Samhain war auch der Zeitpunkt wo der Jahreskreiskönig (die Sonne) stirbt. Der alte König stirbt und zur Wintersonnwende wird der neue junge König geboren.

Der Kontakt zu den Ahnen, die Durchlässigkeit zur Totenwelt steht bei diesem Fest im Mittelpunkt. Man glaubte, dass die Toten in dieser Nacht die Erlaubnis hätten, an den Ort ihres früheren Lebens zurückzukehren. Der Ahnenkult spielte bei den Kelten eine sehr wichtige Rolle, denn diese schätzten ihre Vorfahren sehr. Man bat seine Vorfahren um Rat und glaubte, diese können auch tatsächlich antworten. Ein Grund weshalb man gerade in dieser Nacht seinen verstorbenen Ahnen ein Mahl zubereitete und bereit stellte, da man glaubte, sie können ebenda in die Welt der Lebenden zurück kehren.

Samhain bedeutet Vereinigung / Vermählung. Die uralte Erdgöttin (Personifizierung des Landes) wählte einen iridischen Gemahl (Jahreskönig), dessen Los es war am Ende seiner Regierungszeit, den Tod zu wählen um einem neuen jüngeren König Platz zu machen. Diese Heilige Hochzeit symbolisierte die Befruchtung der Erde (Göttin) durch die Sonne (König). Vor Jahrtausenden wurde ein König symbolisch mit seinem Land vermählt und verpflichtete sich seinen Stamm zu schützen. Wurde dieser König dann alt und gebrechlich musste er in den Tod gehen (ritueller Königsmord) um seinem jüngeren und stärkeren Nachfolger Platz zu machen. All das fand an Samhain statt.

Die Frucht die Samhain am besten verkörpert ist Holunder. Der Holunder ist Frau Holle (Freya), welche die Toten in der Anderswelt begrüßte, besonders heilig. Ungekocht ist er giftig und verkörpert somit den Tod. Aber man kann auch sehr heilsame Säfte daraus brauen, die besonders gesund in der dunklen Jahreszeit sind. Es gab Bräuche bei denen die Toten auf Holduner-Reisig gebettet wurden. Andernorts wurden Tote unter Holundersträuchern beerdigt. Oder man pflanzte einen Holunderbaum neben die Haustür, welcher auch als Schwellbaum bekannt ist und somit als Portal für die Ahnen in unsere Welt diente. An Samhain legte man den Ahnen dann noch Milch, Brei, Brot und Bier unter diesen Baum.

Halloween

Es ist noch nicht all zulange her, da führte ich eine kleine Diskussion mit meiner ach-so-katholischen Mutter über Halloween. Sie meinte, Halloween sei nur ein „kommerzieller Sch…“, der aus den USA über den großen Teich zu uns herüber geschwappt ist. Ich fragte meine Mutter, ob sie sich denn noch erinnere was wir früher als Kinder (70er/80er-Jahre) so in dieser Zeit gemacht haben. Meine Mutter verstand nicht ganz was ich meinte. Da erinnerte ich sie daran, dass wir rund um unser Haus und auf unserem Balkon alles voller ausgehöhlter Zuckerrüben geschmückt hatten, in welche wir Fratzen schnitten und mit Teelichtern beleuchteten.

Tatsächlich kommt dieser Brauch nämlich nicht aus den USA, sondern ist mit den Einwanderern Europas nach Amerika gekommen. In Amerika gab es nur keine Rüben, daher nahm man stattdessen Kürbisse.

Auch der Brauch sich in gruselige Masken zu hüllen kam ursprünglich aus Europa. Dieser Brauch diente dazu, dass man die Lebenden nicht von den Toten und Dämonen und anderen Geschöpfen der Nacht, welche während der Zeit in der  die Schleier zwischen den Welten aufgehoben sind, aus der Anderswelt zu uns herüber kamen, unterscheiden konnte. Allerdings wurde das eher in den sogenannten Faselnächten zelebriert. Dazu aber ein andermal mehr.

Jack O’Lantern

Vor langer Zeit lebte in Irland ein Hufschmied namens Jack, welcher ein übler Trunkenbold, Spieler und Betrüger. Es war die Nacht den 31. Oktobers, da saß Jack wie jeden Abend in seiner üblichen Spelunke und betrank sich mit billigem Bier. Doch plötzlich stand der Teufel neben ihm, welcher ihn holen und in die Hölle mitnehmen wollte. Zuerst erschrak sich Jack fast zu Tode, doch dann hatte er die Idee, sich von dem Teufel einen letzten Drink ausgeben zu lassen. Dieser willigte erst bereitwillig ein, musste aber gleich darauf feststellen, dass er gar keine Münzen bei sich hatte, um den Wirt auszubezahlen. Also verwandelte der Teufel, der ja bekanntlich ebenfalls ein Meister der Betrügereien ist, selbst in eine Münze und wollte dem Wirt zu einem späteren Zeitpunkt wieder entfliehen. Doch unser gerissener Jack reagierte schnell, schnappte sich das Geldstück und stopfte es zusammen mit einem kleinen Kruzifix in seine Börse, wo er den Teufel gefangen hielt. Er ließ den Teufel erst frei, nachdem dieser ihm versprochen hatte, ihn ein ganzes Jahr lang in Ruhe zu lassen.

Ein Jahr später, wieder am 31. Oktober, erschien der Teufel Jack erneut um ihn zu holen. Diesmal bat Jack den Teufel um einen Apfel. Der Teufel kletterte auf einen Apfelbaum, da ritzte Jack ganz flink ein Kreuz in dessen Rinde, sodass der Teufel nicht mehr von dem Baum herunter konnte. Jack rang ihm das Versprechen ab, ihn bis in alle Ewigkeit in Ruhe zu lassen. Nachdem der Teufel sein Versprechen ausgesprochen hatte, kratzte Jack das Kreuz wieder aus der Rinde und lies den Teufel herunter.

Die Jahre vergingen und Jack wurde ein alter Mann. Als er dann starb, bat im Himmel um Einlass. Doch dort wollte man ihn nicht, da er ja zu Lebzeiten nicht gerade gut und brav gewesen ist. Also ging er in die Hölle und bat den Teufel um Einlass. Doch auch dieser wies ihn ab, der Jack ihm ja vor Jahren ein Versprechen abgerungen hatte. Nun war Jack dazu verdammt auf ewig durch die Dunkelheit zu wandern. Doch der Teufel hatte Mitleid und schenkte Jack eine glühende Kohle. Diese steckte Jack in eine ausgehöhlte Rübe, die er sich als Wegzehrung mitgenommen hatte und in welche er eine gruselige Fratze schnitt, um sich die Dämonen und Geister der Unterwelt fern zu halten. So wandert Jack nun schon seit Jahrhunderten durch die Finsternis.

Jack O’Lantern ist ein Symbol für die ruhelosen Seelen.

Allerheiligen

Wie bei allen heidnischen Feiertagen schaffte es die katholische Kirche auch hier nicht diesen abzuschaffen, weshalb man ihn aus der Not heraus übernahm und zu einem bzw. zwei christlichen Feiertagen ummodifizierte.

Die Christen feiern Allerheiligen am 1. November und gedenken an diesem Tag ihrer verstorbenen Heiligen.

Am 2. November feiern die Christen Allerseelen, der Tag an dem sie ihrer verstorbenen Verwandten und Freunde gedenken.

 

Das Hexen-Credo von Doreen Valiente

Auf das Hexenrecht wirst Du bauen
in wahrhafter Liebe und rechtem Vertrauen,

lebe und lass alle anderen leben,
sei mäßig beim Nehmen und mäßig beim Geben.

Zieh den Kreis auf dreimal aus,
und halte alles Böse draus.

Die Sprüche werden wirksam sein, 
wenn sie geschmiedet sind im Reim.

Die Augen sanft, Berührung zart,
Zuhören vor Reden sei Deine Art.

Wächst der Mond, geh sonnenwendig, 
sing und tanz das Pentakel lebendig.

Doch heult ein Wehrwolf beim blauen Eisenkraut,
geh der Sonne entgegen, denn der Mond wird abgebaut.

Wenn der Göttin Mond im neuen Stand, 
küss dann zweimal ihre Hand.

Acht den Vollmond, sei bereit,
für Sehnsucht im Herzen ist die richtige Zeit.

Läßt der mächtige Nordwind sich spüren,
streich die Segel und schließe die Türen.

Der Wind aus dem Süden bringt Herzen zum Blühen,
auch Du kannst mit ihm in Liebe erglühen.

Neuigkeiten wird der Ostwind entschleiern, 
erwarte und bereite Dich vor auf das Feiern.

Hat der Wind aus dem Westen zu befehlen,
unruhig sind dann die wandernden Seelen.

Neun Hölzer sind für den Kessel gut,
brenn sie schnell mit sanfter Glut.

Der Baum der Göttin ist weise und alt,
schade ihm und sein Fluch wird Dein Gehalt.

Erreicht das Jahresrad Walpurgisnacht,
brenne ihr Feuer in voller Pracht.

Ist das Rad bei Jul arriviert,
Zünde die Fackeln und Pan regiert.

Alle Pflanzen sollst Du pflegen,
denn das trägt der Göttin Segen.

Die murmelnden Gewässer sind Dein Gewissen,
wirf einen Stein und Du wirst es wissen.

In Deiner Not wirst Du Dich bewähren 
und nicht den Besitz Deiner Nächsten begehren.


Läßt Dich nicht mit den Toren ein,
denn sie bringen Dich in falschen Schein.

Empfangen und Abschied mit Wärme gemacht,
Dein Herz wird zu glücklichem Glühen gebracht.

Das Dreifach-Gesetz sei Dein leitender Faden,
dreimal bringt's Glück und dreimal den Schaden.

Wenn Missgeschick regiert dunkle Tage,
auf Deiner Stirn einen Stern dann trage.

Die, die Dich lieben, nie wirst Du betrügen,
sonst werden auch sie Dich ins Antlitz belügen.

Zum Schluß noch acht Worte und da gilt's:
SCHADE ES KEINEM, DANN TU, WAS DU WILLST!